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Schriftstellerische Selbstzweifel - NaNoWriMo-Edition

Der NaNoWriMo steht vor der Tür und mir fällt auf, dass ich keinen einzigen Blogbeitrag zu meinem Preptober verfasst habe. Dabei hatte ich es mir fest vorgenommen.

Momentan bin ich oft von mir enttäuscht, jedenfalls von meiner Schriftstellerei. Alles andere bekomme ich gut auf die Reihe: Studieren, Sozialleben, sogar ein bisschen Kultur habe ich mir in letzter Zeit wieder reingezogen.

Natürlich habe ich mich auf den NaNoWriMo vorbereitet. Eigentlich sind Oktober und November die schönsten Monate in meinem Jahresablauf. Aber diesmal habe ich Bauchschmerzen.

Zum einen habe ich ein furchtbar vollgepacktes Semester vor mir. 25 Präsenzstunden die Woche, Vor- und Nachbereitung von Vorlesungen, Texte lesen und Präsentationen vorbereiten nicht mit eingerechnet. Obendrauf kommen 16 Stunden Arbeit, in denen ich nicht zwischendrin mal ein bisschen tippen kann. Eigentlich wollte ich einen Reverse NaNo schreiben, also am Anfang ganz viel und dann jeden Tag weniger. Den Gedanken habe ich inzwischen aufgegeben. Allgemein wird mein NaNoWriMo anders laufen als in den vergangenen sieben Jahren. An den Wochenenden wird geschrieben so viel der Kopf hergibt, der Rest ist optional. Ich werde also versuchen, die 50.000 Wörter in 13 Tagen anstatt in 30 zu schreiben. Vorbereitet bin ich dafür nicht. Die Entscheidung für das Setting wurde gestern spontan über’s Knie gebrochen und die Charaktere, die für mich alles ausmachen, sind noch sehr vage. Das einzige, was steht, ist die Outline.

Und jetzt die Frage: kann der NaNoWriMo mir dieses Jahr Spaß machen? Oder wird er ein Punkt mehr auf der vollgepackten To-Do-Liste? Ich habe Angst, dass ich dieses Mal keine Freude daran finden werde. Dabei bräuchte ich sie momentan sehr dringend. Meine Selbstzweifel als Schriftstellerin gehen durch die Decke. Mein Hauptprojekt “Verschwesterung”, an dem ich seit neun Jahren schreibe, ist immer noch nicht fertig. Ich wollte es im Mai fertigstellen, dann im Juli, dann im September. Ich trage es mit mir rum wie eine verschleppte Erkältung. Immer wieder fallen neue Probleme auf, und jede meiner Beta-Leserinnen findet neue Fehler, die ihre Vorgängerinnen nicht gesehen haben. Und ich habe das Gefühl, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen.

Also wie soll ich jetzt ein neues Projekt anfangen, wenn ich seit neun Jahren nichts fertiggestellt habe? Mein NaNoWriMo-Projekt vom letzten Jahr war wahnsinnig cool, aber ich habe es danach nicht mehr angefasst. Weil “Verschwesterung” immer als erstes kam. Weil es endlich fertig werden sollte. Und wieder ist ein Jahr rum, und ich beginne ein neues Projekt. Ein Projekt, von dem ich denke, dass ich es wieder hinten anstellen werde, um mein Hauptprojekt zu beenden. Und da meine Selbstzweifel sagen, dass ich das eh nie tun werde, fühlt ein neues Projekt sich wie Verschwendung an. Wozu etwas anfangen, wenn ich es danach sowieso nicht weiterverfolgen werde?

Eigentlich ist der NaNoWriMo dazu da, ein neues Projekt anzufangen und das auch durchzuziehen. Allerdings habe ich mich schon immer zu den NaNo Rebels gezählt. Ab 30.000 Wörtern an meinem neuen Projekt überlege ich, auch ab und an eine Szene für “Verschwesterung” zu schreiben. Für mein Gewissen.

Wie ihr seht, bin ich mental noch nicht bereit. Hoffen wir, dass ich es übermorgen sein werde. Dass ich Spaß haben kann, keine zeitfressenden Überraschungen aufkommen (Immunsystem, I’m looking at you) und ich vielleicht endlich eine Entscheidung treffen kann, wie es mit meinen Projekten weitergeht. Denn ein weiteres Schreibjahr wie dieses könnte mir die Lust am Schreiben tatsächlich rauben.


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